Inkluday 2020 – mein erster ganztägiger Onlinekongress

Ein Onlinekongress mit Workshops, Diskussionsrunden und vielem mehr, an und für sich ist das nichts Neues für mich. Allerdings findet dieser Jugendkongress, um den es geht – der InkluDay 2020 – aufgrund der Covid-19-Pandemie rein digital statt.

Für mich kamen einige Fragen auf: Wie ist das wohl, wenn der Kongress plötzlich digital ist? Macht das überhaupt Spaß? Wie kommuniziert und interagiert man mit den anderen? Aber auch die Frage, wie dieser Jugendkongress barrierefrei gestaltet wird und bisher bin ich in diesem Punkt sehr beeindruckt.

Aber von vorne. Durch eine Facebook-Story bin ich auf den InkluDay aufmerksam geworden, von dem ich davor noch nie gehört habe. Die Internetseite ist übersichtlich und wie ich finde sehr schön gestaltet, wobei das bekannterweise Ansichtssache ist.

Schnell habe ich herausgefunden, dass der InkluDay eine Jugendkonferenz für engagierte Menschen zwischen 15-24 Jahren ist. Da habe ich gerade noch Glück gehabt, nächstes Jahr hätte ich nicht mehr teilnehmen können.
Auch in Leichter Sprache gibt es alle wichtigen Informationen, auch heute noch leider nicht selbstverständlich. Was ich besonders ansprechend finde: Aktion Mensch, der Veranstalter des Kongresses, schreibt ausdrücklich von einer „barrierearmen” Seite. Das finde ich gerade deshalb gut, weil ich der Meinung bin, dass es vollkommene Barrierefreiheit nie wirklich geben kann, denn man kann es nie allen Menschen mit all den unterschiedlichen Anforderungen Recht machen. Aber man kann oder vielmehr sollte das Bestmögliche versuchen, um allen Menschen einen gleichberechtigten Zugang zu ermöglichen, das bedeutet für mich barrierearm.

Nachdem ich mir die Infos zu den Workshops durchgelesen habe, stand für mich fest: ich muss unbedingt teilnehmen und habe mich am 03. August beworben, die Zusage erhielt ich am 19.08. 🙂

Es gibt insgesamt sieben Workshops, deren Inhaltsbeschreibung ich teilweise von der InkluDay-Seite zitiere.

Inklusion als Beruf(ung) – mit Dagmar Greskamp
In diesem Workshop geht es darum, wie man die eigene „Leidenschaft für Inklusion“ zum Beruf machen kann und welche Möglichkeiten es gibt. Den Teilnehmenden wird aufgezeigt, wie sie „eigene Barrieren abbauen“, „Inklusion im Beruf leben“ können und „warum Querdenken dabei hilft!“.

Vielfalt in Bildern – mit Anna Spindelndreier
Durch die täglichen Bilder, die wir im Internet, auf Werbeflächen in der U-Bahn, in Zeitungen und Zeitschriften sehen, werden oft „bewusst oder unbewusst Klischees und Stereotype verbreitet“, womit ein Großteil der vielfältigen Gesellschaft „und die Individualität des Einzelnen“ laut der Fotografin Anna Spindelndreier „nicht genug Raum einnimmt“. Sie möchte deshalb zeigen, wie „man klischeefreie Bilder erkennt“ und bringt zudem den Teilnehmenden Grundlagen und Tricks im Umgang mit der Smartphone-Kamera bei.

Campaigning – mit Zuher Jazmati und Thu Hoài Tran
„Eine Idee, ein Produkt oder ein Projekt können noch so toll und durchdacht sein – wenn sie nicht verbreitet werden und Menschen begeistern können, bleibt die Wirkung meistens  gering.“ Wie man Kampagnen realisieren kann, Mitstreiter*innen findet und warum Social Media dabei wichtig ist, erfährt man in diesem Workshop.

Vision Inklusion – mit Frank Liffers
„Mach dir die Welt, wie sie dir gefällt!“ Frank Liffers von der jungen Stadt Köln möchte beibringen, wie „du selbst mit kleinen Projekten deine Welt ein bisschen verändern kannst“. Er möchte mit den Teilnehmenden „Visionen für eine inklusive Zukunft“ diskutieren und „kleine Projektideen [entwickeln], die die Welt ein bisschen vielfältiger, barrierearmer und schöner machen“. Wie diese Idee dann in ein Projekt umgesetzt werden kann, erfährt man ebenso.

Gebärdensprach-Workshop – mit Clara Belz und Laura Schwengber
Clara Belz „ist selbst gehörlos und wuchs in einer hörenden Familie auf [und] wird schildern, wie das ihren Blick auf die Gehörlosenkultur beeinflusst hat“. Ebenso erfährt man, wie man Dolmetscher*in für Gebärdensprache werden kann und welche Aufgaben man als Dolmetscher eigentlich hat. Das ist der erste Workshop, an dem ich teilnehmen werde, ganz besonders freue ich mich dabei auf den Schnupperkurs in Gebärdensprache.

Barrierefrei posten – mit Natalie Dedreux und Anna-Lena Stein
„Wir wollen eine (digitale) Welt, an der alle teilhaben können. Aber auch, und gerade in sozialen Medien gibt es viele Barrieren, die Menschen ausschließen. Dabei gibt es auch bei Insta, Facebook & Co Möglichkeiten zur barrierearmen Kommunikation, man muss sie
nur zu nutzen wissen!“ Um zu lernen, worauf ich dabei achten muss und wie ich eine barrierearme Kommunikation umsetzen kann, habe ich mich bei diesem Workshop angemeldet. Ich bin sehr gespannt und hoffe, einiges lernen zu können.

Mobile Reporting – mit Angelina C. Boerger
„Ganz nach dem Motto „Die beste Ausrüstung ist die, die du gerade dabei hast!“ erfährst du in diesem Workshop, wie du dein Smartphone nutzen kannst, um professionell wirkende Videos aufzunehmen, zu schneiden und zu posten. Natürlich geben dir die Referent*innen auch Tipps dazu, wie du deine Beiträge möglichst barrierearm gestaltest und so noch mehr Menschen für dein Anliegen begeistern kannst.“

Also habe ich mich für den InkluDay angemeldet, der am 26.09. von 09:30-20:30 Uhr stattfindet. Bereits in der Anmeldung konnte man angeben, ob man beispielsweise Leichte Sprache braucht, einen Gebärdendolmetscher oder Schriftübersetzer. Ebenso konnte man angeben, welche Lebensmittel man nicht verträgt, denn wir bekommen alle ein Paket geschickt, in dem auch Süßigkeiten sind.

Am 21.09. erhielten wir Teilnehmenden eine E-Mail mit einigen nützlichen Informationen zum Programm, den Log-In-Daten und der Information, in welche Workshops wir eingeteilt wurden. Glücklicherweise wurde ich in meine beiden Wunsch-Workshops eingeteilt. Aber selbst, wenn das nicht geklappt hätte, wäre es nicht schlimm gewesen, denn ich finde alle Workshops sehr interessant und zugegebenermaßen fiel mir die Entscheidung für die zwei Workshops ausgesprochen schwer.

Der Zeitplan für den Kongress sieht wie folgt aus. Vormittags sind die Zeiten bei allen gleich, nachmittags unterscheiden sich die Themen je nach Workshops, an denen man teilnimmt.

Zeitplan

09:30-9:45 Uhr: Ankommen

09:45-10:15 Uhr: Begrüßung mit Ninia LaGrande und Suri Abassi

10:15-11 Uhr: Gespräch mit der YouTuberin Ypsilon (moderiert von Ninia und Suri)

15 Minuten Pause

11:15-12 Uhr: Fragen an Leeroy Matata (moderiert von: Ninia und Suri)

15 Minuten Pause

12:15-13 Uhr: Diskussion mit Esra Karakaya (moderiert von: Ninia und Suri)

15 Minuten Pause

13:15-14 Uhr: Fragen an Gewitter im Kopf (moderiert von: Ninia und Suri)

14-15 Uhr: Mittagspause und offenes Programm

15-15:15 Uhr: Start ins Konferenz-Programm (moderiert von: Ninia und Suri)

15:15-16:15 Uhr: Workshop Gebärdensprache WS

15 Minuten Pause

16:30-17:30 Uhr: Workshop #barrierefrei posten

15 Minuten Pause

17:45-18:45 Uhr: Zeit für offene Angebote

15 Minuten Pause

19-19:45 Uhr: Ask mit anything (Fabiana alias “Ypsilon”)

19:45-20 Uhr: Verabschiedung & gemeinsame Abschlussreaktion (moderiert von: Ninia und Suri)

20-20:30 Uhr: Chill Out InkluDay

Es gibt insgesamt vier offene Angebote auf dem InkluDay, die durch die Beschreibung auf jeden Fall schon Vorfreude wecken.

Starte dein eigenes Projekt – mit Nina Arlt (Team Servicestelle Jugendbeteiligung) und Engagierten bei „Dein Ding“
„Erfahre, wie du deine eigene Idee für mehr Vielfalt und Inklusion umsetzen kannst, mit der Projektunterstützung von „Dein Ding“.“

Kurz die Welt verändern – mit dem Team der Servicestelle Jugendbeteiligung
„Wir sprechen darüber, wie man mit Engagement die Welt verändern kann, wie man die passenden Engagement-Möglichkeiten findet und was dich in deinem Engagement bewegt.“

Kennenlernen – mit Mara Oldenburg (Team Servicestelle Jugendbeteiligung)
„Lerne die Teilnehmer*innen hinter den Bildschirmen kennen. Lust darauf zu erfahren, wer noch so alles am Start ist? Dann schaue hier vorbei. Wir haben allerhand vorbereitet.“

Pausenschnack – mit euch allen!
„Nur mal kurz zum Quatschen verabreden? Dann komm im Pausenschnack-Raum vorbei und treffe andere Teilnehmer*innen.“

Zusätzlich zu all diesen Angeboten gibt es eine Seite, auf der man einen eigenen Steckbrief erstellen kann und auf der man alle anderen Steckbriefe der Teilnehmenden, Teamenden und Verantwortlichen lesen kann. Ich finde das eine gelungene Idee, auf einem Online-Kongress für emotionale Nähe zu sorgen und Möglichkeiten, ins Gespräch zu kommen und mehr über die anderen zu erfahren.

Am Tag vor dem InkluDay konnten sich alle Teilnehmenden auf der Kongress-Seite anmelden und prüfen, ob die Technik einwandfrei funktioniert. Sollte dies nicht der Fall sein, stehe bis 20 Uhr ein Hilfe-Team zur Verfügung. Und auch in diesem Thema empfinde ich die Unterstützung durch den Veranstalter als sehr umfassend und weitblickend. So wird beispielsweise im PDF „Tipps und Tricks“ geschrieben:

„Du bist dir nicht sicher, ob deine technische Ausstattung alle Voraussetzungen erfüllt? Melde dich bei der Servicestelle Jugendbeteiligung und wir versuchen alle offenen Fragen mit dir zu klären.“

Sogar Hilfe über TeamViewer wird angeboten, das ist ein Programm, mit dem Fremde über Distanz einen erlaubten Zugriff auf den eigenen Laptop/PC etc. bekommen und so versuchen können, das Problem zu lösen. Solch eine technisches Unterstützungsangebot habe ich selbst bei meinem Studiengang im diesjährigen Online-Semester nicht erlebt.

Insgesamt habe ich den Eindruck, dass der Kongress sehr intensiv vorbereitet wurde und die zuständigen Menschen sich wirklich sehr viele Gedanken gemacht haben, um den Kongress so barrierearm wie möglich zu gestalten. So ist beispielsweise in der Netiquette zu lesen:

„Auf Sprache achten
• Uns ist diskriminierungssensible Sprache wichtig. Denn Sprache schafft Realitäten. Nutze daher bitte Gender­neutrale Formen wie zum Beispiel Teilnehmende anstelle von nur Teilnehmer oder sprecht von Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Hab Respekt vor den gewählten Selbstbezeichnungen von verschiedenen Gruppen. Du weißt nicht, wie du etwas sagen sollst? Dann frage bei den Referent*innen, der Servicestelle Jugendbeteiligung oder anderen Teilnehmer*innen nach.

• Einfache Sprache kann dazu beitragen, dass alle mitkommen. Unsere Tipps: Sätze bewusst kürzer formulieren, nicht zu schnell sprechen und Fachwörter vermeiden. Solltest du bestimmte Fachwörter trotzdem nutzen, erkläre diese bitte.

• Es gibt Teilnehmer*innen, die von Verstehensassistent*innen und/oder Gebärden­ sprachdolmetscher*innen begleiten werden. Daher ist es wichtig, das Tempo der Gruppe z.B. in Diskussionen anzupassen, so dass sich alle – trotz Verzögerung von Übersetzungen – mit einbringen können.

• Beim InkluDay nehmen Menschen mit Seheinschränkung teil. Beschreibe daher visuelle Eindrücke so gut wie möglich und erläutere Situationen. Ein Beispiel: Die Gruppe lacht, weil ein Hund im Hintergrund Späße macht? Fass diese Situation für alle nochmal in Worte.

• Nicht alle Menschen können gleich gut oder schnell lesen und schreiben – achte daher darauf, dass alle verstehen, was z.B. im Chat passiert.“

Solch einen barrierearmen Kongress, wie es bisher in der Vorbereitung den Eindruck macht, habe ich noch nie erleben dürfen, weshalb ich mich sehr darauf freue. Den ganzen Vormittag über wird der Livestream mit Gebärdensprachdolmetschern und Schriftdokmetschern unterstützt sowie in Leichte Sprache übersetzt. Hat man bei der Anmeldung Unterstützungsbedarf angegeben, bekommt man diesen auch bei den folgenden Workshops am Nachmittag.

Sehr gefreut habe ich mich auch über das Paket, das alle zugeschickt bekommen haben. Welche Überraschungen in diesem Paket stecken, könnt ihr im Bild sehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

© Morena Eckert

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